Baby it’s cold outside …

Es gibt ja kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Aber was anziehen?
Man fährt sich bergauf ordentlich warm und ist meist relativ langsam unterwegs. Geht es bergab, wird es durch den Fahrtwind schnell kalt. Je nach Tour wechselt sich das auch noch ein paar Mal ab. Rauf schwitzen, runter frieren. Und das ist dann unangenehm.

Die richtige Kleidung und wie man die trägt macht hier den großen Unterschied. Und ganz ehrlich: Es gibt da kein Patentrezept. Je nach dem eigenen Fahrstil, nach Route, dem Wetter und dem Budget, kann man die Kleidung mehr oder weniger ideal anpassen.
In diesem Artikel teile ich meine persönliche Erfahrungen mit den Zwiebellagen, die ich selbst von Kopf bis Fuß nutze.

Los geht es oben und da sitzt der Helm. Einen Helmüberzug gegen Wind und Regen habe ich noch nicht probiert. Dafür trage ich was drunter, und zwar eine Unterhelmmütze von Craft, die über den Ohren etwas länger ist und diese schön warm halten. Vorne an der Stirnseite hat sie einen zusätzlichen Windschutz aufgenäht. Über den Kopf verliert man viel Wärme und so eine enge Mütze passt bequem unter jeden Helm. Nicht nur der Kopf will gut bedeckt sein, der Hals ist im Winter genauso empfindlich. Wenn es nicht ganz so kalt ist, trage ich gern ein Schlauchtuch und wenn es knackig kalt ist, dann einen Fleece-Schal.

Helm, Unterhelmmütze, Schal oder Schlauchtuch

Bevor ich Mütze, Helm und Schal anziehe, geht es weiter unten los. Ist es echt richtig kalt, dann trage ich über meiner Boxer mit Sitzpolster eine lange Unterwäsche, die aus einer Mischung aus Syntetik und Merinowolle gewebt ist. Ist es nicht ganz so kalt, dann nur ein eng anliegendes Funktionsshirt. Wichtig ist es, dass die erste, unterste Lage den Körper trocken hält. Wird es dem Körper zu warm, fängt man an zu schwitzen und diese Feuchtigkeit kühlt den Körper. Saugt sich die Unterwäsche nur voll, kann aber die Feuchtigkeit nicht vom Körper weg transportieren und verdunsten, dann bleibt man eben nass und wird später deswegen frieren. Schlechte Erfahrungen habe ich mit einem günstigen Unterhemd aus dem Discounter gemacht. Das hat sich nur vollgesaugt und war dann nass und kalt. Hier lohnt sich also die Investition in gute Funktionsunterwäsche, die speziell für Sport mit hoher Intensität gemacht ist.

Darüber trage ich als mittlere Lage bei kaltem Wetter am liebsten ein Teil mit hohem Kragen und einer genoppten Innenseite. Das hält warm und atmet gut.
Nur wenn es richtig, richtig kalt ist, trage ich noch eine Fleece-Weste bevor dann die Jacke drüber kommt.

Die Jacke ist das Teil, an dem man am wenigsten sparen sollte. Die muss nämlich primär den Wind, die Feuchtigkeit, den Matsch und den Regen oder gar Schnee abhalten. Je mehr die Jacke von innen nach außen atmen kann, desto besser ist das Innenklima darunter. Ist es nicht richtig kalt, sondern warm und nass, dann funktionieren technische Stoffe nicht richtig. Deshalb achtet darauf, dass die Jacke wind- und wasserdichte Reißverschlüsse hat, mit denen man für Belüftung sorgen kann, z.B. unter den Armen, vorne von der Brust nach unten und am Rücken. So kann man für Durchzug sorgen wenn es warm, aber eben nass ist und man nur langsam bergauf pedaliert. Ist es kalt, bleibt die Jacke aber am besten geschlossen, damit die Feuchtigkeit durch die Jacke nach außen verdampfen kann. Nicht jeder mag eine Kapuze, aber wenn die zusammengerollt nicht stört und nur dann über den Helm gezogen wird, wenn es richtig schüttet, dann ist die nicht zu verachten. Am besten ist die Jacke hinten extra lang geschnitten, damit sie auch lange genug ist, wenn man nach vorne gebeugt auf dem Rad sitzt. Gefüttert ist die Jacke besser nicht, denn für die Wärme sind die anderen Lagen unter der Jacke da. Meine Wahl fiel vor ein paar Jahren auf die Endura MT500 Jacke, da die damals mit die höchste Wassersäule (= Wasserdichtheit) und vor allem eine sehr hohe Atmungsaktivität hatte. Beides wird in der Regel bei solchen Jacken angegeben und lässt sich leicht vergleichen. Beim neusten Modell von Endura hat die MT500 Waterproof Jacke II beispielweise einen Wert bei der Wassersäule von 20.000 mm und einen Wert bei der Atmungsaktivität von 40.000 g/m²/24 h.

Was für die Jacke gilt, das gilt auch für eine lange Hose. Wind- und wasserdicht, dabei atmungsaktiv mit Lüftungsoptionen und zusätzlich mit einem wirklich abriebfesten Hinterteil muss die sein. Den wo spritzt der Schlamm immer hin? Genau. Und dann setzt man sich drauf und backt kleine Mud-Cakes. Das beansprucht die Hose genau da ganz ordentlich. Auch darauf zu achten ist, dass die Beine unten schmal geschnitten sind, sonst freut sich die Kette über Stücke der Hose.
Ich bin lang gewachsen und dabei relativ schmal, weshalb mir meine Troy Lee Designs Resist Hose leider oben zu weit ist damit sie dann nach unten lang genug ist. Leider ist der Ratschenverschluss am Bund nicht gut geeignet, um die Hose rutschfest auf der Hüfte zu verankern. Es gibt auch keinen wirklich rutschfesten Gummistreifen hinten am Bund. Hosenträger lösen das Problem, sind aber irgendwo doof.

Jetzt sind wir schon unten angekommen. Um die Füße herum ist es meist am schnellsten nass und kalt. Denn da spritzt die vom Vorderrad aufgewirbelte Feuchtigkeit immer hin, selbst wenn nur noch der Boden feucht ist. Und das heißt: Auch hier muss investiert werden. In ein paar richtig gute Schuhe und mindestens genauso wichtig, in Socken. Wer hier mit Überziehern über den Sommerschuhen arbeitet darf mit Schweißfüßen rechnen. Vor allem im nassen und milden Frühjahr oder Herbst. Und unten sind so Überzieher ja nun mal offen und da wird immer Feuchtigkeit einziehen. Deshalb lohnt es sich in ein paar wetterfeste Schuhe zu investieren. Ich fahre die Fizik Terra Clima X2 und bin super zufrieden. Sie sind nicht die wärmsten im Fizik Terra Portfolio, aber schon wasserfest und atmungsaktiv. Mit ihrer hohen Gamasche halten sie am Bein herunter laufenden Wasser und hoch spritzenden Schlamm sicher aus dem Schuh fern. Die Sohle ist griffig und unten geschlossen – ich fahre mit Klickpedalen und da ist das wichtig, damit das Wasser und die Kälte nicht durch die Öffnungen für die Schuhplatten in den Schuh kriecht. Nach der Tour spritze ich die noch am Fuss mit dem Gartenschlauch einfach ab und bekomme selbst dabei keine nassen Füsse. In den Schuhen trage ich gerne die wasserdichten Socken von Sealskinz. Die gibt es in verschiedenen Längen und Wärmeausstattungen. Auch hier gibt es keine Schweißfüße. Wer die Investition in einen Schuh für schlechtes Wetter scheut, kann auch erstmal nur auf solche Socken setzen.
Und da wir schon bei Schuhen sind, hier noch ein paar Worte zu Handschuhen. Ich habe ein paar schon uralte Handschuhe im Einsatz, die aus Thinsulate gemacht sind. Das ist ein wärmedämmender Vliesstoff. Im Gegensatz zu Skihandschuhen, müssen Handschuhe zum Radfahren am besten eng und griffsensitiv sein damit man noch gut schalten und bremsen kann. Griffig müssen sie auch sein, damit man nicht abrutscht und natürlich wind- und wasserdicht. Bei Regen sollten sich die Handschuhe auch nicht mit Wasser vollsaugen. Und das alles zu erfüllen, ohne dass die Fingerspitzen eiskalt werden, ist nicht einfach. Hier habe ich keinen Tipp, freue mich aber über Euren in den Kommentaren.

Und so gut gekleidet macht die Trails-Tour oder der Gravel-Ride bei jedem Wetter Spaß. Tatsächlich freut man sich ja auch wie ein kleines Kind, wenn man keine Pfütze mehr auslassen muss, oder? Der Wald riecht auch immer toll, wenn er nass ist. Und auf das Knarren von frischem Schnee unter dem Reifen freue ich mich auch immer.

Die Ausrüstung, die ich hier beispielhaft photographiert und abgebildet habe sowie alle Produkte, die ich namentlich genannt und verlinkt habe sind von mir selbst unabhängig ausgesucht und zu normalen Preisen im Handel gekauft worden. Ohne Unterstützung der Hersteller.
Ich freue mich von Euch in den Kommentaren zu hören mit welcher Ausrüstung ihr gute Erfahrung gemacht habt.

Bis bald im Wald!

Dizzebach Loop

Abwechslungsreich, 99% off-road, einige Trail-Sektionen, schöne Ausblicke, knapp unter 50km, kaum Höhenmeter, rund um Dietzenbach.

Was will man mehr?

Vielleicht noch Sonnenschein und dass es ein Samstag oder Sonntag ist. Denn zwischen März und Oktober hat dann der Biergarten am Hofgut Patershausen geöffnet und man kann etwa auf halber Strecke einen schönen Stopp einlegen.

Und das ist nicht das einzige Highlight dieser Tour.

Los geht es wahlweise gerne überall entlang der Route. Mein Start ist in Egelsbach am Bahnhof auf dem Fahrradschnellweg in Richtung Langen.
Das Teerband verläßt man jedoch direkt nach wenigen Metern und vor der Brücke, um durch das Naturschutzgebiet Herchwiesen in Richtung Osten zu fahren. Fast zu jeder Tageszeit werden hier Hunde ausgeführt und abends könntet ihr hier vielleicht dem Fuchs begegnen. Bleibt möglichst auf den schmalen Pfaden in Richtung Osten bis ihr auf den Egelsbacher Weg stoßt – ein geteerter Fuß-/ und Radweg, der nach Langen führt. Dann geht es hinten um Langen herum den Berg rauf in den Wald, über die Autobahn und bis zum Wetterturm.

DWD Wetterturm bei Offenthal

Ab hier wird es wieder spannend. Auf einem schmalen, sandigen Pfad kann man mit Schwung Spaß haben. Nach einem 90 Grad Rechtsknick und (derzeit: Nov 2021) nach einer Umleitung um einen umgestürzten Baum herum, geht es leicht bergauf bis man wieder auf einen breiteren Weg stößt. Dann rechts ab aus dem Wald ins Feld. Vorbei an einem wilden Meer aus Sonnenblumen auf der linken Seite geht es in Richtung Offenthal. Man pierscht sich hinten an Offenthal ran, kreuzt kurz durch ein Wohngebiet und über die Bahnlinie, um sich dann bergab in den Wald zu stürzen. Kaum spuckt der einen wieder aus, kann man bei klarem Wetter über Frankfurt hinweg bis zum Feldberg gucken, bevor man eine Landstraße überqueren muss. Passt hier auf die Autos auf, da die Querung in einer Kurve liegt. Der folgende Pfad bergab ist holprig und besonders am Ende vor dem Wald ruppig und kann matschig sein. Uffbasse! Weiter geht es dann auf Schotter am Waldrand entlang bis zum Wollwiesenteich, an dem man links abbiegt. Den kann man gerne umrunden und nach den hier heimischen Schildkröten Ausschau halten.

Ein Stück weiter entlang der Route geht es kurz bergauf an einem Friedwald entlang. Wenn der Weg wieder bergab führt, liegt ebenfalls links versteckt der Ebersberg. Singletrails führen hier rauf auf den Gipfel (nur 193 m ü.NN) und oben erwarten euch tibetische Gebetsfahnen. Es ist einen Abstecher wert.

Weiter geht es danach in Richtung Nordosten und durch einen Birkenwald um den Hoher Berg (nicht der Rede wert) herum. Ich mag das Stück sehr, weil ich mit einer Birke im Vorgarten aufgewachsen bin. Nach dem Schlenker und der Überquerung einer Landstraße und Bahnlinie geht es für ca. 1,5 km breit und befestigt bis zum Hofgut Patershausen. In dessen Hofladen gibt es Demeter- und Bioprodukte, im Biergarten am Wochenende gegrillte Wurst, Kuchen, Limos und Ebbelwoi.
Ein schöner Stopp auf etwa halber Strecke!

Gestärkt kann es dann weitergehen in Richtung Waldacker. Dort gibt es nochmal ein kurzes Stück Singletrail zu bewältigen, bevor man an der Hauptstraße am Ortseingang herauskommt. Man rollt kurz die Straße runter, um gleich wieder vor dem ersten Haus im Wald zu verschwinden. Im Zickzack geht es zum Anglerteich und dann auf weichen, sandigen und teils wurzeligen Wegen mit Anspruch durch den Dietzenbacher Wald zu reiten. Am Wildschützer Steinbruch kann man noch ein Abenteuer wagen und in den alten Steinbruch reinfahren. Ist allerdings eine Sackgasse.
Übers Feld und an der Bahn entlang geht es in Richtung Messel. Man biegt aber vorher nach Westen ab in den Koberstädter Wald. Dort warten mit dem idyllischen Ernst-Ludwig-Teich und dem Hegbachtrail die fast letzten Highlights der Dizzebach Runde.

Am Ende geht es noch durch den Faulbruch nach Erzhausen und man kann schön auf dem Radschnellweg nach Egelsbach ausrollen.
Die ganze Tour mit allen Details und zum Nachfahren findet ihr auf Komoot.

Ich freue mich zu hören, wenn ihr die Tour gefahren seid, wenn ihr die mit mir mal zusammen fahren wollt – und wenn ihr Vorschläge habt die Tour noch schöner zu machen!

Banana!!!

Meine Liebste hat ein Tourenrad, das sie das „Muddirad“ nennt. Sie fährt es nicht gerne und ich verstehe auch warum. Da kam mir eine Idee. Mein Dad ist leider inzwischen zu alt fürs Radfahren und so konnte ich sein altes MT Racing Classic Comp aus den 90ern abstauben. Leider hat das Rad schon viel miterlebt. Unter anderem wurde der Rahmen zweimal überlackiert und sah wirklich nicht schön aus. Aber es hatte Potenzial. Und es hat die richtige Rahmenhöhe für meinen Schatz.

Alle guten Dinge sind drei, also war klar, dass der Rahmen zum dritten Mal neu Farbe bekennen muss. Kerstin wählte ein leuchtendes Goldgelb von Spray Bike aus. Ich zerlegte das Rad komplett, begann den Rahmen anzuschleifen und alle Teile zu säubern. Die Shimano Deore DX Komponenten wurden aufpoliert. Selbst nach 30 Jahren funktionieren die noch tadellos. Bis auf die Schalt-/ Bremshebel-Kombis, da mussten neue, alte Teile aus dem Secondhand Markt her. Ein paar XT Daumies und passende Bremshebel waren schnell gefunden.

Ich wollte es aber nicht nur beim neuen Lack belassen. Es sollte ein Cruiser werden mit dem sie hier im Ort kleinere und vielleicht auch mal ein paar größere Erledigungen machen kann. Für noch mehr Style und entspanntes Cruisen bestellte ich einen BMX Lenker und Vorbau, frische Reifen, und jede Menge blaue Kleinteile.

Das „Muddirad“ hat einen oft benutzen Lenkerkorb. Und da der Maulkorb von Prinzessin Attitude so gut angekommen war, musste etwas ähnliches her. Meine Wahl fiel auf den Blackburn Local Basket. Der Träger kann sowohl vorne als auch hinten montiert werden. Er ist super stabil, kann mit 20 kg belastet werden und kommt mit praktischen Details wie Schloßhalterung, Spanngurt und einer Stelle an der ein Licht gut angeklipst werden kann. Kostenpunkt: ca. €75-85.
Nach der Lackierung, der Aufbereitung der alten Teile, und dem Bestellen von neuen Teilen folgte der Neuaufbau.

Im März habe ich das alte Rad abgeholt, im Juni rollte es aus der Garage in sein zweites Leben. Nicht nur Freunde und Bekannte sind begeistert, auch der Postbote hat schon mehrfach neidisch geschaut.

Was man so immer dabei hat

Ob kurze Runde oder ein 100km Grand Fondo, irgendwo mitten im Wald mit einem Defekt stehen ist das letzte das man sich wünscht. Aber was nimmt man mit, um kleinere Defekte zu beheben? Hier meine Tipps dazu.

Ich fahre seit über 30 Jahre Mountain Bike und bin auch schon in Frankfurt als Fahrradkurier unterwegs gewesen. Immer in meinem Windschatten an der Hüfte war meine Tasche, in der ich das notwendigste für die Fahrt und Weiterfahrt nach Defekt verstaue.

Ich packe meinen Koffer und ich nehme mit:
Nach meiner persönlichen Einschätzung der Wichtigkeit sortiert.

  • Kleine Karte mit meinem Namen, Kontakt- und medizinische Informationen für den Notfall.
    Nichts ist blöder als wenn man nach Sturz auf fremde Hilfe angewiesen ist und die Helfer keinerlei Informationen über Dich haben.
  • Ein Miniwerkzeug.
    Mein Tipp: Das Topeak Mini 20 Pro
    Es bietet 20 Werkzeuge wie an einem Schweizer Taschenmesser. Es ist kompakt, robust, praktisch und kommt mit einer kleinen Tasche die es polstert. Im Handel für ca. €30 zu bekommen.
  • Eine kompakte Luftpumpe.
    Mein Tipp: Die Lezyne Allow Drive Small.
    Klein, leicht und pumpt realtiv schnell den Reifen wieder auf.
    Achtung, es gibt unzählige, kaum voneinander zu unterscheidenen Modelle von Lezyne. Für MTB/Gravel sollte man die „High Volume“ nicht die „High Pressure“ Modelle wählen. Die Letzteren sind für Rennräder. Es gibt neben der „Small“ auch ein „Medium“ Modell das etwas länger ist.
  • Ein Tubless Kit.
    Wer schlauchlos fährt kennt die Dinger. Dorn und Gummifriemmel, welches größere Löcher stopft bei denen die Dichtmilch keine Chance hat.
  • Ein Ersatzschlauch.
    Auch wenn man schlauchlos fährt, ist man gut beraten einen Schlauch dabei zu haben. Meiner ist immer noch mit Karton und in einer Folie eingepackt. Erstens reibt er so in der Tasche nicht auf und Zweitens kann man mit Pape und Folie zur Not einen eingerissen Reifen von innen so stabilisieren, dass man noch nach Hause kommt.
  • Einen Satz Reifenheber.
    Um den Schlauch im Fall der Fälle montieren zu können. Ich habe da einen kleinen Lappen drum gewickelt. Immer gut wenn man mal was an der Kette machen muss und sich dabei die Hände nicht völlig einsauen möchte.
  • Ein Feuchttuch.
    Wenn man sich doch mal die Hände einsaut. (Recycling aus dem Flieger. Dort werden die gerne verteilt.)
  • Geld.
    Bahn oder Taxi nach Hause. Ein Eis oder Snack am Wegesrand. Es ist immer gut Geld dabei zu haben.
  • Medizinische Maske.
    Es ist 2021 als ich diesen Beitrag schreibe. Muss ich mehr sagen?
  • Energieriegel.
    Manchmal ist es kein Defekt sondern einfach die Energie die fehlt, um nach Hause zu kommen.
  • Regenjacke.
    Mein Tipp: Die Endura Pakajak. Zusammengefaltet (und in Größe XL) ist die so groß wie zwei Tennisbälle.
    Die kommt immer nur dann mit in die Tasche, wenn das Wetter nach Regen aussieht und ich nicht schon mit Jacke starte.

Und die Tasche?
Die Tasche die mich seit über 30 Jahren treu begleitet ist eine Marin Mountain Bikes Tasche. Die gibt es so schon lange nicht mehr zu kaufen. Sie ist aus Cordura und damit sehr robust. Mit den beiden Schnallen kann man auch mal eine etwas dickere Jacke festschnallen. Die seitlichen Taschen sind super für Schlüssel und anderen Kleinkarm. Ein Mobiltelefon passt allerdings nicht gut greifbar in diese Seitentaschen. Als die Tasche verkauft wurde hatte man noch kein Mobiltelefon dabei. Ich helfe mir deshalb mit einer ansteckbaren Gürteltasche aus.

Heute erhältlich und am nächsten dran sind meiner Meinung nach zwei Taschen von Dakine. Die Hot Labs 1L und Hot Labs 2L Tasche. Ein und zwei Liter groß – jenachdem ob man lieber etwas schlanker oder etwas geräumiger unterwegs ist. Beide sind nicht dafür vorgesehen eine Trinkblase aufzunehmen.
Ich trinke aus den Flaschen die am Rahmen Platz finden. Oder ich fahre mit Rücksack bei wirklich großer Tour, in der eine 3 Liter große Trinkblase Platz hat. Denn das darf auch auf keinen Fall fehlen: Ausreichend Flüssigkeit!

Fragen und Kommentare sind herzlich willkommen! Was habt Ihr so dabei?

Update (Nov 2021):
Ich kann die Dakine Taschen leider nicht mehr empfehlen. Ich hatte mir die Dakine Hot Labs 1L Tasche schenken lassen und deren Gurt ist leider viel zu kurz. Für wirklich schmale Hüften funktioniert die natürlich. Zur Orientierung: Ich trage Jeans in der Weite 34 und kann die Tasche nicht nutzen weil der Gurt so kurz ist, dass ich den Verschluss nicht annähernd zu bekomme. Der Dakine Kundensupport war leider nicht in der Lage mir in den letzten 3 Monaten irgendwie zu helfen.

Statt dessen habe ich jetzt die The North Face Waterproof Lumbar Bag im Einsatz und bin glücklich damit. Der mittlere Hauptbeutel ist komplett wasserdicht und in der Größe zwischen 1-4 Liter flexibel. Zum Verschließen rollt man einfach den sich oben öffnenden Beutel von oben runter und klippt ihn dann an beiden seitlichen Enden fest. Der große Beutel läßt sich dank Klettverschluss vom Gürtel trennen und so auch separat nutzen. Zwei kleine seitliche Reißverschlusstaschen, eine davon ist ein grobes Netz, ergänzen das Setup. Vorne auf dem Hauptbeutel ist ebenfalls noch eine Netztasche mit Reißverschluss.

Yee-haw! Das Stahlross ist gesattelt.

Rodeo. Das Wort stammt vom portugiesischen Wort „rodear“ ab, was so viel wie „umrunden“ bedeutet und es ist die gängige Bezeichnung für das aus Brasilien stammende Reitsporturnier mit verschiedenen Disziplinen.
„Labs“, ist die englische Kurzform für Laboratorien.
Und was hat das eine jetzt mit dem anderen zu tun??

Wer hier liest, ist sich ja schon mal im Klaren darüber, dass es um Fahrräder geht. Ich laboriere schon länger mit dem Gedanken, mir ein Rad für die Waldautobahnen in der Umgebung zuzulegen. Bisher hat mein über 30 Jahre altes Bridgestone Mountainbike dazu herhalten müssen. Komplett ungefedert, mit kaum profilierten Dirt Bike Reifen, äußerst schlecht bremsend und schwer wie ein ausgewachsener Bulle.

Aber Spaß macht das alte Ding. Und genau diesen ungefederten, schnellen Spaß will ich seit mehr als einem Jahr etwas ausbauen. Mit einem modernen Rad für Waldwege, leichte Trails, lange Strecken, Potential für extra lange Touren und vielleicht mal ein Bikepacking.
Die Wunschliste der Eigenschaften war schnell gemacht und umfasste 6 Punkte:

  1. Stahlrahmen
    → Es gibt Gründe für und gegen Stahlrahmen. Ich mag Stahl. Stahl federt schön mit, es wird nicht spröde und reißt wie Alu, und es ist nicht so teuer wie Carbon. Ich mag die Ästhetik von Stahlrahmen, die Ehrlichkeit, die Langlebigkeit.
    Mein Bridgestone und mein Mountain Goat sind beide aus Stahl.
  2. Carbon Gabel
    → Die sind oft nur halb so schwer wie eine Stahlgabel und ich finde, das Rad sieht dann moderner aus.
  3. Reifen
    Platz für mindestens 48mm/1.9″ breite Reifen, präferiert bis zu 60mm/2.2″
    → Ich komme vom Mountainbike und schätze breite Reifen für ihren Komfort und die Möglichkeit damit auch abseits befestigter Wege viel Spaß zu haben. Breite Reifen kann man mit weniger Luftdruck fahren, was den Komfort erhöht.
  4. Kettenblätter
    Platz für 2-fach Kettenblätter vorne
    → Ich war der Meinung, dass ich zwei Kettenblätter brauche, um eine höhere Bandbreite und weniger große Sprünge bei der Übersetzung fahren zu können. Ich nehme hier schon vorweg, dass ich aufgrund der Schwierigkeit der Teileversorgung in 2020 das Rad jetzt doch nur mit einem Kettenblatt vorne aufgebaut habe. Ich habe aber trotzdem schon einen zweifach Hebel links verbaut und den Adapter an der Kurbel für ein zweifach Setup hier liegen. Nur der Umwerfer fehlt noch. Einfach oder zweifach ist ein bisschen Beides: Eine Sache der persönlichen Präferenz und ein bisschen Glaubenskrieg.
  5. Vorbereitung für die Montage von Packtaschen an Gabel und Hinterbau
    → Ich habe noch kein Bikepacking Abenteuer unternommen, aber reizen tut es mich und so habe ich die Option.
  6. Innen im Rahmen verlegte Züge
    → Das hat für mich auch rein ästhetische Gründe. Einfacher für den Aufbau und die Wartung sind außen am Rohr verlegte Züge. Durch die Möglichkeit der Innenverlegung könnte ich noch später elegant auf eine elektrische Schaltung mit Kabel umstellen, wenn nicht kabellos bis dahin sowieso der Standard ist.

In Neudeutsch heißt so ein Rad dann Gravel Bike und sieht aus wie eine Kreuzung von Rennrad mit einem Mountainbike. Eigentlich gibt es das schon seit vielen Jahren und nennt sich Crossrad. Aber für die Raddisziplin Cyclocross oder Querfeldein dürfen die Reifen nur maximal 33mm breit sein und die Rennen gehen nicht über 60 Minuten. Die Räder dafür sind daher asketische, steile Böcke für den Wettbewerb und werden von echten Rennradfahrern gerne für das Wintertraining genutzt. Für eine schöne lange und gerne auch mal gemütliche Ausfahrt durch Wald und Flur ist das also eher nichts. Und da bin ich wohl nicht der Einzige mit dieser Meinung und so wurde fleißig im Labor gekreuzt, was das Zeug hielt und raus kamen die Gravel Bikes, Monster Crosser, Dropbar Mountainbikes und noch ein paar andere Abarten. Das Tolle ist, dass die Grenzen immer mehr verschwimmen und jeder was für sich finden kann.

Und so wurde auch ich im November 2019 über einen Artikel bei Bikepacking.com fündig. Bei Rodeo Labs im fernen Colorado – einem kleinen Hersteller herrlicher Räder. Deren „Flaanimal“ ist schon länger eine Perle unter den Stahl Gravel Bikes. Flaanimal?? Muss ganz klar ein Laborunfall sein?! Ja, und zwar einer dieser guten Unfälle, bei denen etwas ganz Phantastisches raus kommt. Für die fünfte Auflage in 2020 haben sich Stephen Fitzgerald und sein Team bei Rodeo Labs mal richtig in die Arena begeben. Damit die Reifen noch breiter werden können und gleichzeitig zwei Kettenblätter gefahren werden können, haben Sie unten am Tretlager die Verbindung auf der Kettenblattseite nach hinten mit einer so genannten „Yoke“ ausgeführt. Das ist ein aus Stahl gefertiges Bauteil, das flach und vergleichsweise dünn ausgeführt werden kann, um so Platz für einen breiten Reifen und zwei Kettenblättern zu schaffen. Aber so eine Yoke ist auch schwerer ist als ein normales Kettenstrebenrohr. Dafür wurde dann das Sitzrohr und ein Teil des Steuerrohrs aus leichtem Carbon gefertigt, um wieder Gewicht einzusparen.

Und auch sonst tickt das Rodeo Labs Flaanimal 5.0 alle Boxen meiner Wunschliste. Bonuspunkte gibt es für die Kleinserie, für die abriebfeste Beschichtung und für die Möglichkeit mit eigener Farbgebung ein ganz individuelles Rad zu kreieren. Das alles kommt mit einem Preis, aber ihr wisst ja: Gutes Rad ist teuer.

Im Februar 2020 habe ich den Rahmen dann vorbestellt. Erst im September kam der dann in Europa an. Er wurde noch nach meinen ganz speziellen Wünschen lackiert und im Oktober geliefert. Die Zeit zwischen Februar und Oktober habe ich mit viel Radfahren und der Suche nach Teilen für den Aufbau verbracht. Mit Liebe fürs Detail und der Möglichkeit alles selbst auszusuchen wurde so mein eigener „Dream Build“ daraus.

Teil meines Traumrads war es auch, selbst das Rad zu gestalten. Auf der Suche nach meinem Traumrad bin ich immer wieder über das Curve „Kevin of Steel“ gestolpert. Ein heißer Kandidat, der aber nicht mehr in meiner Rahmengröße und in der tollen blau-gelben Lackierung zu bekommen war. Aber dieses Blau! Es war der Grundstein für meine eigene Farbwahl. Zweifarbig sollte es werden. Und ich liebe diese kleinen ‚Tannenbäume‘, die Rodeo auf die 4. Generation der Flaanimals lackiert.

Mein Rad ist nicht lackiert, es ist mit Cerakote beschichtet. Das ist eine hochbeständige Pulverbeschichtung, die urspünglich für Schusswaffen entwickelt wurde. Das auf Fahrräder aufzubringen finde ich aber viel sympathischer. Es hält dem Dreck gut stand, platzt nicht ab, wenn Steinchen dran fliegen und kann in vielen Farben mit einem schönen matten Finish verarbeitet werden. Die Carbonrohre sollten matt schwarz, die Stahlrohre blau werden.
Das waren dann meine Instruktionen für den Lackierer:

Nachdem der Rahmen dann im Oktober geliefert wurde, ging es langsam an den Aufbau. Jedes Wochenende verbaute ich ein paar Teile am Rad.
Bei den Laufrädern war ich sehr dankbar für den Einsatz von Stefan von Hexenwerk Laufrädern. Die wollte ich gerne selbst aufbauen, aber hier kann man wirklich besser auf einen echten Profi wie Stefan vertrauen.

Hier ist meine komplette Teileliste.
Jedes Teil habe ich bewusst ausgesucht und ich bin gespannt wie alles zusammenspielt. Das war mein erster Gravel Bike Aufbau und ich gebe gerne zu, dass ich ein paar der Teile mehr nach Ästhetik denn nach Preiswertigkeit, Gewicht oder Erfahrung ausgesucht habe. Besonders verliebt hatte ich mich schon früh in die wunderschönen Ingrid Kurbeln CRS-POP aus Italien. Tune Teile aus dem Schwarzwald, Syntace Felgen aus Bayern, die Erase Naben aus Belgien und die Hope Bremsen aus England besetzen den europäischen Teilemix. Die Shimano GRX Schaltung, die eThirteen Kassette und die KMC Kette kommen aus Asien. Aus den USA kommen der Cane Creek Steuersatz, das Kogel Innenlager und die Sattelstütze und der 52cm breite „Dropbar“ Lenker mit „Flare“ von Tom Ritchey. Dropbar, so nennt man in der Szene die Rennlenker, weil deren Enden nach unten im Bogen abfallen. Und Flare bezeichnet das ausgestellte Ende dieser Bögen, das typisch an Gravelbikes ist und für mehr Kontrolle im Gelände sorgen soll. Mit roten Kleinteilen habe ich am blau-schwarzen Rahmen ein paar kleine, andersfarbige Akzente gesetzt.

KomponenteDetails
RahmenRodeo Labs Flaanimal 5.0
12×100 vorne, 12×142 hinten
mit Flaanimal 12mm Mechanical Flat Mount Slider
GabelRodeo Adventure Labs Spork 3.0 Carbon
LackierungCerakote, zweifarbig, mir Ornamenten.
Beschichtet durch Tony Spray
SteuersatzCane Creek 110
ExpanderTune Xpanda
LenkerRitchey Venture Max WCS 520mm
LenkerbandSILCA Nastro Cuscino
VorbauTune Geiles Teil 4.0 OV Vorbau
SattelklemmeRodeo Labs
SeatpostRitchey Sattelstütze Superlogic Link Flexlogic Carbon
27,2mm x 350mm
SattelSQLab Saddle 612 ERGOWAVE® active 14cm
TretlagerKogel Bearings T47-i30 (85.5mm / Inboard Lager)
KurbelIngrid CRS-POP 175mm
KettenblattIngrid 40 Zähne
Umwerfer(nicht zu bekommen derzeit, aber geplant ist:
Shimano GRX FD-RX810 Umwerfer 2×11-fach)
SchaltwerkShimano GRX RD-RX812
Kassettee*thirteen XCX PLUS 11, 9-42 Zähne
KetteKMC DLC 12 Kette – 12-fach, schwarz
Schalt-/BremsgriffeShimano GRX ST-RX810 (links 2x / rechts 11x)
BremsenHope RX4, vorne & hinten, für Shimano
Bremsscheiben2x Campagnolo Ekan / Center Lock
Bremsscheiben Verschlussringe2x Hope Centre Lock Ring, rot
LaufräderSapim Messerspeichenmix CX-Ray/-Sprint, Sapim Polyax Alunippel hex schwarz, Sapim Washer
Eingespeicht durch Stefan von Hexenwerk Laufräder
Naben Erase Road CL, black
12×100 / 12×142, mit SRAM XDR
 FelgenSyntace W25i Alu 622, 24 Loch
Ventile Tune Tubeless Ventile, 35mmm, rot
ReifenWTB Venture 700C x 50, Tanwall 
PedaleShimano XTR PD-M9100 
(Race series short-axle IPDM9100S1)
Flaschenhalter2x Flaschenhalter Topeak SL Shuttle Cage, schwarz
KlingelKnog Oi Luxe Large, schwarz/rot
 KleinteileIngrid 110×5 BCD Spider
(für 2-fach Kettenblätter – nicht montiert)
 Bremsschlauch Jagwire Mountain Pro, stealth black
 2x Shimano Bremsschlauchflansch für BR-R9170 etc.
 Motorex Mineralöl für Hydraulikbremsen
 Schaltzugset Jagwire Elite Sealed 2x , stealth black
 Internal housing damper
 Lizard Skins Chainstay Protector, klar, matt
 Finish Line Tubeless Tire Sealant
 12 x Wolftooth M5x15mm Aluschrauben, rot,
 Tune Spacer Steuerrohr (2mm, 5mm, 10mm, 15mm)
 Aluschraube für Ahead Kappe M6x30mm, rot
 Screws4Bike Edelstahlschrauben mit Linsenkopf, schwarz matt für die Hinterradaufnahme
4 x M8x16 und 1x M6x12
WerkzeugeIngrid Crankset Tool
Werkzeug für Tretlagermontage Unior 1671.T47 – BB Tool (for Enduro Torqtite, 16  notches, outer 52,13mm , inner  48,12mm)
Teileliste

Und jetzt ist er fertig, der Bock und will geritten werden!
Für Fragen stehe ich gerne zur Verfügung, also seid nicht scheu. Und wenn ihr auch Lust auf fröhliche Runden durch den Wald auf einem Gravel Bike habt, dann meldet Euch gerne und ich helfe mit einem Überblick, was der Markt für jedes Budget so her gibt. Der boomt nämlich und die Auswahl dessen, was die Radlaboratorien ausspucken, wird immer größer.
Bis bald im Wald!

Vom Rat Bike zum Cruiser

Es gibt Räder tief in den Kellern und hinteren Ecken der Garagen, die unter ihrer Schicht aus Staub, Dreck und fettigen Krusten noch immer den Glanz ihrer Hochzeiten tragen. Der muss nur wieder heraus gekitzelt werden.
Wie bringt man so ein Rad wieder zum Leuchten und zurück aus der Ecke in den regelmäßigen Gebrauch?
Mein Tipp:
Man löst sich mal vom Ursprünglichen und macht was damit, was richtig cool und gleichzeitig praktisch ist. Denn wer kein enthusiastischer Klassik-MTB Sammler ist, der will weder große Summen in eine Restauration stecken, noch wird so ein Rad dann wie früher durch den Wald und die Berge bewegt. Aber für Besorgungen, für die Fahrt in den nahen Biergarten, zum Schwimmbad, zum Sportplatz oder ähnliches – dafür ist so ein Rad perfekt. Und genau sowas wollte ich schon länger gerne mal aus einem alten, vernachlässigten Rat Bike mit Potential machen.

Ich habe mich sehr gefreut, dass ein guter Freund noch ein altes Klein Attitude Comp in der Garage stehen hatte und mich fragte: „Kann man da noch was draus machen? Irgendwas Cooles, so ein Single Speed oder so?“.

Ja, klar!!!

Die Klein Räder waren damals der heißeste Scheiß! (Entschuldigung.) Das hier ist „nur“ ein Klein Attitude Comp aus 2000. Und damit trotz der schönen Sunburst Lackierung nichts, was in Retro-Kreisen hochpreisig gehandelt wird.
Im Gespräch kam dann raus, dass er viel und gerne schaltet. „Gibt es noch Daumenschalter?“ Und dass er für Besorgungen nicht immer sein E-Bike nehmen will. Und da hatte es schon mehrfach bei mir geklickt wie die guten alten Daumenschalter!

Also habe ich das Baby mitgenommen und erstmal nackig gemacht. Alle Teile, die ich weiter verwenden wollte, wurden tiefengereinigt, die Lager neu gefettet und der Rahmen aufpoliert. Dann begann die Suche nach Teilen für den Wiederaufbau. Der tolle gelb-rote Sunburst Paintjob sollte durch weitere rote Teile noch mehr zum Leuchten gebracht werden. Also bestellte ich rote Griffe, rote Außenhüllen, frische Bremsbeläge mit rotem Belag, rote Zugendnippel, einen roten Flaschenhalter und ein rotes narrow-wide Kettenblatt. Vorne sollten sich statt drei nämlich nur noch ein Kettenblatt drehen. Die „narrow-wide“ Kettenblätter verhindern durch ihr Profil, dass die Kette vom Kettenblatt fällt. Ein neuer Sattel und eine frische Kette mussten her und natürlich ein Daumenschalter mit passendem Schaltwerk. Außerdem mussten passend zu den dicken Alurohren auch ein paar dicke Reifen her. Die Maxxis Holy Roller in 26×2,40 sind da genau richtig.

Aber das Beste sollte ganz vorne passieren!
Eigentlich dachte ich an einen Flat Rack – einen flachen Vorderradgepäckträger. Das war aber nicht so einfach wegen der Federgabel, denn da läßt sich sowas nicht montieren. Und im Gespräch kam dann der Wunsch nach einem Korb statt einer flachen Auflage. Gut!! In Italien habe ich in einem Radladen mal eine Lenker-Gepäckträger-Kombi gesehen. Und die habe ich auch bei einem Radladen bei Hamburg wieder gefunden.

Hier die Liste der Teile, die ich bestellt habe:

KettenblattDeckas narrow-wide Kettenblatt 36 Zähne, rot€ 9,04
SchaltwerkShimano Acera RD-M390 9-fach€ 11,68
KetteShimano CN-HG93 Kette 9-fach€ 13,90
SchalterDaumenschalter SUNRACE SLM96 – 9 fach – Rechts€ 22,78
GriffeSpecialized Enduro XL Locking Grips – rot€ 19,40
SattelErgon SFC3 Gel€ 39,99
Reifen2x Maxxis HolyRoller (26×2.40) MaxxPro-Compound€ 55,20
Bremsbeläge2x Jagwire Mountain Sport V-Brake – rot€ 5,82
Außenhüllen2x Capgo BL – Rot (Bremse und Schaltung)€ 19,90
Bremszüge2x Shimano Edelstahl MTB€ 7,00
Schaltzüge1x Jagwire Sport€ 2,50
EndtüllenJagwire, rot€ 0,30
FlaschenhalterBontrager, rot€ 8,76
KlingelProcraft Mega Ping€ 2,49
LenkerLenkerkorb Elbebike, matt schwarz€ 129,00
PauschaleReiniger, Fett, Öl€ 2,00
Summe€ 349,77
Teileliste

Und dann kam der Winter, der Lockdown, Weihnachten, Zeit mit der Familie statt in der häuslichen Kellerwerkstatt. Aber Stück für Stück wurde aus dem Rat Bike wieder eine Prinzessin mit Maulkorb! (OK, … das ist jetzt keine schöne Analogie.) Schaut mal wie hübsch!!

Ich biete keinen professionellen Service, sondern ich mache das, weil ich selbst Spaß daran habe. Und das Rad war ein echter Spaß! Hier noch ein paar Informationen dazu.
Mitgenommen habe ich das Rad am 22. November und zurück gegangen ist es am 6. Februar. Bezahlt wurden die Teile, die ich im normalen Radladen bestellt habe – sonst nichts. Eine zusätzliche Spende ging an den World Bicylce Relief, eine Wohltätigkeitsorganisation, die speziell für Entwicklungsländer entwickelte, robuste und vor Ort montierte Fahrräder produziert. Im Rahmen von Programmen stellen sie diese dann Schülern/Schülerinnen und Pflegern/Pflegerinnen zur Verfügung.

Hast Du ein klassisches MTB im Keller oder Gartenschuppen, das Du gerne wieder fahren möchtest und das vorher mal eine gründlichen Pflege und einen zweiten Frühling braucht?
Dann melde Dich gerne bei mir!

1990 Doug Bradbury Manitou

Ein original Dough Bradbury Manitou aus 1990! Ein Rad bei dem ich gar nicht weiß wie ich am besten anfange darüber zu schwärmen. Damals schon voller Innovationen und etwas wirklich ganz Besonderes. Kantiger Hinterbau, dicke Easton Alurohre, überbreite Naben, ein überbreites Tretlager, leicht, schnell, agil, sexy!
Doug Bradbury, der dieses Rad gebaut hat, ist ganz klar ein Speed- und Adrenalin-Junky. Er selbst sagt von sich, dass er zum Mountainbiken gekommen ist, nachdem er sich beim Motocross mehrfach fast umgebracht hätte. 1984 fährt er dann zum ersten Mal Mountainbike, gibt es aber sofort wieder auf, denn er findet es noch gefährlicher als Motocross. Damals waren Mountainbikes nämlich alles andere als wirklich geländegängig.

Doug’s erstes gekauftes Mountainbike war ein Ross „Mt Whitney“ –
Bild gefunden auf RetroBike von Nutzer hurin76

Er kann es aber nicht lassen. Nachdem er mit dem Rad aber oft noch schwerer stürzt als mit der Motocross Maschine, beschließt er dann 1985 selbst ein Mountainbike zu bauen das „funktioniert“. 6 Jahre lang hält er sich mit dem Bau von Fahrrädern gerade so über Wasser. 1990 baut er die ersten Prototypen aus Alu und entwickelt auch eine neue Federgabel für Fahrräder. Diese Federgabel war der Schlüssel zu seinem Erfolg. Der siegreiche MTB-Rennfahrer John Tomac ruft bei Doug an und will eine seiner Federgabeln. Der setzt sich ins Auto und fährt eine Gabel persönlich zu ihm. Wie immer zu schnell unterwegs, wird Doug auf dem Weg zweimal angehalten und verliert seinen Führerschein.

Bei der Fahrradmesse 1991 in Anaheim, Kalifornien verkauft Doug seine gesamte Jahresproduktion an einem Tag. In den folgenden Jahren lizenziert er das Patent seiner Gabel an den Hersteller Answer, für die er auch weitere Federgabeln und seine ersten voll gefederten Rahmen baut.

Mein Glück ist, dass ich dieses Jahr eines der frühen und von Doug selbst gebauten Rädern aus 1990 – noch ohne Federgabel – für meinen Freund Greg restauriert habe. Wir kennen uns seit über 30 Jahren, also genau so lange wie sein Manitou alt ist. Über das Mountainbiken haben wir uns kennengelernt und sind viel zusammen gefahren. Er hatte damals eins der 30 eisblauen Manitou Räder ergattern können, die eigentlich für den japanischen Markt bestimmt waren. Zwischenzeitlich hatte er das Rad mal verkauft, dann wieder zurückgekauft. Und so stand es dann in seiner Garage. Ein Traum. Nur leicht verbastelt, dreckig, die Aufkleber nur noch teilweise schön, aber sonst noch super in Form. Es musste wieder glänzen!! Also habe ich Greg zu seinem Geburtstag die Restauration geschenkt und das Rad einfach mitgenommen.

Mein erster Schritt war es, das Rad komplett in seine Einzelteile zu zerlegen und dabei eine Bestandsaufnahme zu machen. Dann habe ich überlegt welche Teile ich ersetzen werde, um einen möglichst zeitgemäßen Zustand des Rads wieder zu erreichen.
Sattel, Lenker, Griffe und die Reifen mussten ganz klar neu gemacht werden. Für die Aufkleber musste ich mir was überlegen. Die Gabel hatte früher oben auf den Rohren US Dollarmünzen als Kappen – wieso konnte ich bis heute nicht klären, denn das war bei anderen Manitou’s nicht so. Die Münzen waren jedenfalls verschwunden. Statt dessen war links eine 2 DM Münze und rechts gar keine Abdeckung mehr vorhanden. In der extrabreiten Nabe hinten war der schöne Ringlé Schnellspanner abhanden gekommen und auch oben an der Sattelstütze war irgendein komischer Spanner verbaut. Am Flaschenhalter fehlte ein Halter, die Schelle des Umwerfers war vergurkt und die no-name Pedale total verschrammt.

Der erste Schritt war alles gründlich zu reinigen. Zwei bis drei Zahnbürsten sind dabei drauf gegangen. Die Aufkleber waren bis auf den „Doug Bradbury“-Schriftzug nicht mehr zu retten und so habe ich sie entfernt und dann den Rahmen vorsichtig mit der Hand poliert. Ebenfalls poliert habe ich alle Aluteile – die Gabelbrücke, den Vorbau, die Sattelstütze, die Kurbeln, die Kettenblätter und den Ringlé Flaschenhalter. Schaltung, Hebel und Bremsen habe ich gereinigt, neu geschmiert und mit neuen Innenzügen und Außenhüllen versehen. Den Steuersatz und die Naben habe ich frisch gefettet. Die Manitou Schriftzüge habe ich selbst neu angelegt und von einem Aufkleberdrucker als Einzelbuchstaben ausplotten lassen. Gekauft habe ich einen neuen Selle Italia Turbo Sattel, einen gebrauchten Ritchey WCS Lenker, neue Ritchey WCS True Grips, einen gebrauchten Odysee Svelte Titan Sattelstützenschnellspanner und neue Panaracer Dart & Smoke Reifen. Etwas schwieriger war es den fehlenden Ringlé Schnellspanner in Überlänge für die hintere Nabe zu bekommen. Mein Dank gilt Nick von Vintage Mountain Bikes in England, der mir einen aus seinem Bestand verkauft hat. Auf eBay konnte ich zwei Dollar Münzen für die Gabel ergattern. Und einen Umwerfer mit funktionierender Schelle gab es auch auf eBay. Gespart habe ich ganz ehrlich an den Pedalen. Hier habe ich die Pedalkäfige einfach neu lackiert.
Dann war alles bereit auf den Aufbau.

Alles liegt bereit

Hier die komplette Teileliste:

Rahmen1990 Doug Bradbury Manitou
mit original Manitou Starrgabel
ice blue
SteuersatzEdco
VorbauManitou custom
LenkerRitchey WCS Triple Butted TR X50
GriffeRitchey WCS Truegrip (neu)
Schalt-/BremshebelShimano XTR ST-M900-8 Shifter-Brake Levers
KurbelRitchey Logic mit Ritchey Kettenblättern 46-36-26
UmwerferShimano XT FD-M735
SchaltwerkShimano XTR short cage RD-M900
KassetteShimano Hyperglide 7-speed 12-28
KetteShimano HG
BremsenShimano XTR BR-M900 F/R cantilever
SattelstützeRinglé MOBY
Schnellspanner SattelstützeOdyssey Svelte Titanium
SattelSelle Italia Turbo (neu)
LaufräderManitou custom hubs
Specialized XL21 26×1.50 rims
Schnellspanner NabenRinglé
ReifenPanaracer Dart & Smoke (neu)
Pedaleno name
FlaschenhalterRinglé H2O

Am 1. November durfte ich dann unsere Küche übernehmen und dort das Rad wieder aufbauen. Was ein Spaß das war!
Und dann strahlte es wieder!!

Mitgenommen habe ich das Manitou am 20. September und zurück bekommen hat Greg es am 15. November. Eine Liste der Kosten der getauschten Teile gibt es bei diesem Post nicht, denn die Restauration war ein Geschenk an Greg.

Hast Du ein klassisches MTB im Keller oder Gartenschuppen, das Du gerne wieder fahren möchtest und das vorher mal eine gründliche Pflege braucht?
Dann melde Dich gerne bei mir!
Geld nehme ich dafür nicht (außer die Auslagen für Ersatzteile). Über eine Spende an den World Bicylce Relief freue ich mich dafür umso mehr. Das ist eine Wohltätigkeitsorganisation, die speziell für Entwicklungsländer entwickelte, robuste und vor Ort montierte Fahrräder produziert. Im Rahmen von Programmen stellen sie diese dann Schülern/Schülerinnen und Pflegern/Pflegerinnen zur Verfügung.

California Beauties

Es gibt Räder, die vergisst man wohl nie, weil man eine richtig gute Zeit mit ihnen hatte. Diese Erinnerungen sind es auch, die wahrscheinlich dazu führen, dass man sich von diesen Rädern nicht trennen kann und sie irgendwo in den Tiefen des Kellers, des Schuppens oder der Garage aufbewahrt, aber nicht mehr fährt.
Wenn so ein Rad idealerweise aus einem guten Stahlrahmen und hochwertigen Teilen besteht, dann ist es das Rad wert wieder ans Licht geholt und fahrbereit gemacht zu werden. Oft sind diese Räder noch ohne Federelemente und daher recht leicht. Das macht sie agil und damit entsteht schnell wieder Freude am Radfahren bei kleinem finanziellen Einsatz. Wenn die Basis gut ist, kann man mit €100 bis €200 so ein Rad wiederbeleben und auf ein Niveau bringen, für das man bei einer Neuanschaffung eines Rads wenigstens €700 ausgeben müsste. Im Folgenden beschreibe ich wie das bei den beiden Rädern von Susanne und Darcy der Fall war.

Al fresco – an der frischen Luft
Susanne hatte noch ein Gary Fisher Alfresco von 1996. Ein Rad, das damals ca. 950 DM gekostet hatte. Bekommen hatte sie damals dafür ein Tourenrad mit stabilem Stahlrahmen, Shimano STX Schaltung mit Grip Shift Drehschaltern und Dia Compe Bremsen. Die Besonderheit: Der Girvin Flexstem – ein Vorbau mit einem kleinen Elastomer-Dämpfer, der die Vibrationen des Vorderrads dämpft.

Nach dem Waschgang war klar, dass hier gar nicht viel zu tun war. Den Drehteil der Grip Shift Schaltgriffe habe ich neu gefettet und die beiden feststehenden Teile der Griffe erneuert. Der Steuersatz wurde neu gefettet und eingestellt. Die Kette wurde gereinigt und neu geölt, die Schaltung eingestellt. Die Bremsbeläge habe ich abgeschliffen, die Flanken der Felgen mit Alkohol gesäubert und die Bremsen eingestellt. Und dann habe ich noch zwei neue Schläuche eingezogen, denn mit alten, porösen Schläuchen fährt man schlecht und bleibt mit etwas Pech sogar stehen. Die Reifen war noch gut, denn sie wurden wohl schon vorher mal erneuert.
Aber der Sattel war alt und porös. Hier habe ich Susanne den Ergon ST Gel Women Sattel empfohlen. Den gibt es für ca. €50 im gut sortierten Handel. Dort habe ich Susanne hingeschickt, denn ein Sattel ist wie ein Hose und muss zum Körper passen. Deshalb gibt es von Ergon auch Sättel in unterschiedlichen Weiten. Im guten Radfachhandel gibt es oft eine Messbox, mit deren Hilfe man den Abstand der Sitzknochen bestimmen und dann den dazu passenden Sattel kaufen kann.

GriffeSRAM Racing Grips black 110mm€ 4,90
Schläuche2x
Schwalbe Schlauch Nr. 15
28“ Standard Frz.-Ventil
€ 6,98
SattelErgon ST Gel Women
(von Susanne selbst gekauft)
ca. €50
Gesamt ca. € 61,88

Für etwas mehr als €60 kann Susanne jetzt wieder mit ihrem leichten Tourenrad „al fresco“ genießen – so wie Gary Fisher sich das gedacht hatte.

Wo das Mountain Biken geboren wurde
Gary Fisher zählt zu den Pionieren des modernen Mountain Bikens. Zusammen mit seinem Kumpel Charlie Kelly organisierte und fuhr er die ersten Downhill Rennen, den „Repack Downhill„. So genannt, weil die Naben so heiß wurden und das Fett darin verdampfte, so dass man unten angekommen die Naben mit einer neuen Fettpackung versorgen musste. Und das Repack Downhill startet wo? Oben am Pine Mountain in Marin County, nördlich von San Francisco.

Tja, und was Susanne und Darcy vielleicht gar nicht wussten ist, dass ein Gary Fisher und ein Marin Pine Mountain eine wirklich sehr klassische Kombination zweier California Beauties ist.

Darcy’s Marin Pine Mountain aus 1992 war schon immer ein tolles Rad. Für damals etwa 2.000 DM bekam man einen schönen Rahmen aus dem japanischen Tange Stahlrohr und den guten Shimano Deore XT und DX Schalt- und Bremskomponenten. Außerdem waren einige der hauseigenen Marin Lite Teile verbaut. Und leicht war das Rad mit unter 12 kg für ein Rad von der Stange!

Auch beim Pine Mountain habe ich zunächst eine umfassende Reinigung vorgenommen. Die Shimano Deore XT Gruppe ist von super Qualität und die Teile lassen sich prima für die Reinigung auseinander nehmen. In den Rapidfire Schalteinheiten am Lenker verklebt das Fett gerne. Mit eine Dusche aus WD40, Druckluft und anschließendem Nachfetten bekommt man die aber in der Regel wieder gangbar. So war es auch beim Pine Mountain. Und die Deore XT Naben haben eine kleine Öffnung zum Kugellager für das Einpressen von frischem Fett. Also habe ich die natürlich ganz traditionell einem „Repacking“ unterzogen. Bei Darcy’s Rad war seltsamerweise der Lenker falsch herum montiert und die Cantilever-Bremsen, die nach vorne gehören waren hinten und die von hinten vorne verschraubt. Aber da ich die sowieso für die Reinigung abgeschraubt hatte, kam alles wieder richtig herum ans Rad. Ersetzt habe ich die Griffe, die Reifen und Schläuche und die verklebte Kette. Ich habe hier günstige Teile vorgeschlagen, da Darcy noch zwei andere Räder sein Eigen nennt und es hier einfach darum ging, das Pine Mountain wieder einsatzfähig zu machen.

GriffeODI Long Neck SL schwarz € 9,40
Reifen2x
Continental Race King 26″ x 2.2
MTB-Drahtreifen ECO 25 black/black Skin
 € 35,00
Schläuche2x
Schwalbe Air Plus Schlauch Nr. 13
26“ SV13AP (26×1.50-2.40) Auto/Schrader Ventil
 € 6,68
KetteShimano HG-71 € 14,61
Gesamt  € 65,69

Jetzt läuft das Marin Pine Mountain wieder als würde es nur bergab gehen. Eine wahre Freude!

Susanne und Darcy sind alte Freunde und ihrer Frage, ob ich mal nach den Rädern gucken würde habe ich gerne entsprochen. Abgeholt habe ich die beiden Räder am 22. September und zurück bekommen sie die Räder am 11. Oktober. Bezahlt haben sie die Teile, die ich im normalen Radladen bestellt habe – und €2 für meine Reiniger-Fett-Öl-Kasse. Die Beiden haben auf meinen Wunsch hin noch an den World Bicylce Relief gespendet. Das ist eine Wohltätigkeitsorganisation, die speziell für Entwicklungsländer entwickelte, robuste und vor Ort montierte Fahrräder produziert. Im Rahmen von Programmen stellen sie diese dann Schülern/Schülerinnen und Pflegern/Pflegerinnen zur Verfügung.

Hast Du ein klassisches MTB im Keller oder Gartenschuppen, das Du gerne wieder fahren möchtest und das vorher mal eine gründliche Pflege braucht?
Dann melde Dich gerne bei mir!

Bastian’s Rocky Racoon

Meine erste Classic Mountain Bike Restauration war mehr oder weniger ein Zufall. Während einer meiner ersten Radschraub-Sessions für die Nachbarschaft kamen auch Freunde meiner direkten Nachbarn vorbei. Sie hatten ein paar Kleinigkeiten an den Kinderrädern wieder festzuschrauben. Und dann kamen wir darauf, dass Bastian noch ein altes Centurion MTB im Garten stehen hatte.

Ich bat ihn mir mal ein paar Bilder zu schicken, um zu sehen ob es noch zu retten wäre … und mit welchem Aufwand. Auf den Bilder konnte man nur sehen, dass die Reifen platt waren und die Kette wahrscheinlich nicht mehr zu retten, weil sie total verrostet war. Aufkleber zierten das Rad und gefahren wurde es wohl zuletzt vor Monaten, wenn nicht Jahren. Aber Centurion hat damals gute Qualität gebaut und tut es heute noch. Also bat ich Bastian, das Rad vorbei zu bringen. Das Rad stellte sich als Centurion Rocky Racoon von 1995 heraus. Der Rahmen ist aus gutem Stahl und die von Centurion als „Futura Lackierung“ vermarkteten Pulverbeschichtung war noch gut in Form. Der Rahmen hatte Potenzial. Also machte ich mit Bastian aus, dass ich das Rad genauer begutachten und ihm dann einen Vorschlag machen würde, was er investieren müsste, um das Rad wieder fahrbar zu machen.

Mein erster Schritt war es, das Rad auseinander zu bauen, um zu sehen was noch zu gebrauchen und was der Erneuerung bedarf. Die Kette, Reifen, Schläuche, Sattel, Griffe, Pedale und Schaltzüge mussten ersetzt werden. Die Magura Hydraulikbremsen war noch gut in Form. Die Naben, der Steuersatz und die Grip-Shift Griffe brauchten mal wieder neues Fett. Der Rahmen, die Laufräder, die Schaltung und die anderen Anbauteile mussten mal gründlich gereinigt werden.
Für Bastian machte ich eine Liste mit Vorschlägen, welche Teile ich neu kaufen würde. Die Liste sprachen wir durch und dann konnte es los gehen. Bastian wollte nicht viel Geld ausgeben, was absolut OK ist. Also suchten wir gute aber günstige Teile aus, die das Rad wieder zum Rollen bringen sollten.

Erstmal muss alles auseinander gebaut werden…

Im ersten Schritt habe ich den Rahmen von den Aufklebern befreit und alle Teile gründlich gereinigt. Ein paar der alten Schrauben wurden ausgetauscht und die Anbauteile wurden einfach mal wieder glänzend poliert.

Dann kamen die neuen Teile vom Versandhändler und der Wiederaufbau konnte beginnen.
Hier die Liste der Teile die ich bestellt habe:

SattelErgon SMC Sattel Herren stealth€ 44,99
GriffeSRAM Racing Grips black 110mm€ 4,90
LenkerstopfenProcraft VIP-47€ 0,99
KetteShimano HG 40€ 8,90
KettenstrebenschutzProcraft transparent€ 5,57
PedaleDMR V8 Classic MTB Flat Pedal Black€ 24,09
Reifen2x
Continental Race King 26″ x 2.2
MTB-Drahtreifen ECO 25 black/black skin
€ 35,00
Schläuche2x
Schwalbe Schlauch Nr. 13 (26×1.50-2.50″)
€ 7,16
SchaltzügeJagwire Basic€ 1,17
VersandkostenPauschale vom Versender€ 3,89
Gesamt€ 136,66

Besonders viel Spaß gemacht hat mir, dass der Rahmen noch so super in Form war und man mit wirklich kleinem Budget ein Rad fast wie neu wieder auf den Waldweg bringen konnte. Das Rocky Raccon sieht außerdem zeitlos klassisch aus und ich habe das schwarz-silberne Farbschema durch gezielte Teileauswahl betont. Am schönsten aber war es zu sehen wie sich Bastian über die Wiederauferstehung gefreut hat!

Ich biete ja keinen professionellen Service, sondern ich mache das weil ich selbst Spaß daran habe. Deshalb hier noch ein paar Informationen dazu.
Vorbei gebracht hat Bastian das Rad am 8. Juli und zurück bekommen hat er es am 19. Juli. Bezahlt hat er die Teile, die ich im normalen Radladen bestellt habe – sonst nichts. Aber er hat großzügig für die Einstellungen an den Kinderrädern gespendet und dieses Geld ging an den World Bicylce Relief, eine Wohltätigkeitsorganisation, die speziell für Entwicklungsländer entwickelte, robuste und vor Ort montierte Fahrräder produziert. Im Rahmen von Programmen stellen sie diese dann Schülern/Schülerinnen und Pflegern/Pflegerinnen zur Verfügung.

Hast Du ein klassisches MTB im Keller oder Gartenschuppen das Du gerne wieder fahren möchtest und das vorher mal eine gründlichen Pflege braucht?
Dann melde Dich gerne bei mir!

Waldbaden?!

Du kennst das bestimmt. Man sitzt den ganzen Tag am Schreibtisch, steht im Laden, an der Maschine, oder geht anders seinem Beruf nach. Egal wie oder was wir arbeiten, eins passiert vielen von uns: Irgendwann fällt uns die Decke auf den Kopf. Und das in diesem von Corona bestimmten Jahr noch mehr als sonst.
Wer wie ich von Zuhause aus arbeitet, der bewegt sich auf einmal überwiegend in den eigenen vier Wänden, verbringt vielleicht sogar mehr Zeit mit der Arbeit als sonst, aber vor allem kommt man nicht mehr raus. Der Weg zur und von der Arbeit entfällt, die Mittagspause ist anders, abends macht man mal eben noch was fertig. Abschalten entfällt irgendwie. Also muss man sich selbst aktiv darum kümmern.

Und hier kommt das Waldbaden ins Spiel. Was erstmal mehr als komisch klingt, ist inzwischen ein modischer Begriff geworden. Ich finde „Waldbaden“ als Begriff witzig und noch besser gefällt mir das japanische „Shinrin-yoku“. Zum ersten mal gehört habe Shinrin-yoku bei Monique Theuerkauf. Monique bietet Interessierten Anleitung für das Original an – also zu Fuß und mit viel Achtsamkeit. Naß wird man dabei übrigens nur wenn es regnet.

Bei mir gehören natürlich zwei Räder, etwas mehr Reichweite und Geschwindigkeit dazu. Also Jitensha Shinrin-yoko (自転車で森林浴): Mit dem Fahrrad Waldbaden. Das heißt nicht, dass es weniger Entspannend oder Wirksam sein muss. Wie immer kommt es auf Dich selbst an wie Du es umsetzt. Aber langsam ….

Waldbaden … „beschreibt die meditative Erfahrung und die gesundheitliche Wirkung eines Aufenthaltes im Wald. Insbesondere japanische Wissenschaftler haben sich mit Veränderungen des Immunsystems durch Waldaufenthalte beschäftigt und eine erhöhte Aktivität von Natural Killer Cells gemessen. Der Begriff spielt in Deutschland eine Rolle innerhalb der Esoterik, der alternativen Medizin und beim Naturtourismus.“ … so steht es auf Wikipedia dazu.

Das mit den Natural Killer Cells klingt ja total gefährlich! Der deutsche Begriff Ökopsychosomatik klingt nach Krankheit. Ist das alles Hexenwerk?!?

And into the forest I go, to lose my mind and find my soul.

John Muir

Nein, es ist wirklich ganz einfach und harmlos. Am schönsten hat das der Naturforscher, Naturschützer und Mitgründer des bekannten Sierra Clubs John Muir gesagt:
„And into the forest I go, to lose my mind and find my soul.“
Also ab in den Wald, die Gedanken verlieren und die eigene Seele wiederfinden.
Das klingt so esoterisch und doch braucht man keine Räucherstäbchen. Man kann ganz einfach selbst bestimmen wie man waldbadet. Es gibt kaum richtig oder falsch solange man sich auf die Natur einläßt und den Alltag mal Pause machen läßt.

Mit dem Fahrrad zu Waldbaden hat finde ich die folgenden Vorteile:

  • Wer nicht direkt am Waldrand wohnt, so wie ich, muss irgendwie hinkommen. Also ab aufs Rad.
  • Wer die Hände am Lenker hat, kann kein Handy mehr halten und auf Nachrichten reagieren oder sich sonst wie ablenken.
  • Man hat einfach einen weiteren Radius, eine größere Reichweite und ich geniesse es an den Weihern im Wald entlang, über Wiesen und durch die wechselnde Bewachsung zu fahren.
  • Auch wenn es um die Entschleunigung geht, liebe ich die Sektionen wo ich mich mit richtig Geschwindigkeit durchlüften kann.

Um so richtig die Gedanken zu verlieren fahre ich gerne eine feste Runde, so dass ich nicht mal nachdenken oder entscheiden muss wo es lang geht. Meine Runde ist knapp 30km lang und führt mich auf überwiegend festen, geraden Waldwegen in den Kranichsteiner Wald. So kann ich am besten den Kopf mal abschalten und nur die Natur um mich herum wahrnehmen. In der Regel dauert es ein bisschen, bis ich wirklich loslassen kann. Je nach Wetter, Geräuschen, Jahreszeit und was im Job so los ist, dauert es mal länger oder geht recht schnell. Es kommt auch darauf an, ob ich in meiner Mittagspause, tagsüber zwischen Aufgaben und Terminen oder am Ende des Arbeitstages diese Runde drehe.

Es ist für mich wie ein Antidepressivum und es gibt mir die physische Erschöpfung die ich brauche, um nicht viel zu früh morgens aufzuwachen und schon wieder die Gedanken um die Aufgaben des Tages kreisen zu lassen.
Auch Coaches wie Kirsten Schmiegelt haben das Waldbaden entdeckt und sie hat dazu eine Podcastfolge aufgenommen die ich gerne empfehle.

Probiere es einfach mal aus! Und wenn Du das Waldbaden mit dem Rad schon für Dich entdeckt hast, dann schreib gerne einen Kommentar.