Baby it’s cold outside …

Es gibt ja kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Aber was anziehen?
Man fährt sich bergauf ordentlich warm und ist meist relativ langsam unterwegs. Geht es bergab, wird es durch den Fahrtwind schnell kalt. Je nach Tour wechselt sich das auch noch ein paar Mal ab. Rauf schwitzen, runter frieren. Und das ist dann unangenehm.

Die richtige Kleidung und wie man die trägt macht hier den großen Unterschied. Und ganz ehrlich: Es gibt da kein Patentrezept. Je nach dem eigenen Fahrstil, nach Route, dem Wetter und dem Budget, kann man die Kleidung mehr oder weniger ideal anpassen.
In diesem Artikel teile ich meine persönliche Erfahrungen mit den Zwiebellagen, die ich selbst von Kopf bis Fuß nutze.

Los geht es oben und da sitzt der Helm. Einen Helmüberzug gegen Wind und Regen habe ich noch nicht probiert. Dafür trage ich was drunter, und zwar eine Unterhelmmütze von Craft, die über den Ohren etwas länger ist und diese schön warm halten. Vorne an der Stirnseite hat sie einen zusätzlichen Windschutz aufgenäht. Über den Kopf verliert man viel Wärme und so eine enge Mütze passt bequem unter jeden Helm. Nicht nur der Kopf will gut bedeckt sein, der Hals ist im Winter genauso empfindlich. Wenn es nicht ganz so kalt ist, trage ich gern ein Schlauchtuch und wenn es knackig kalt ist, dann einen Fleece-Schal.

Helm, Unterhelmmütze, Schal oder Schlauchtuch

Bevor ich Mütze, Helm und Schal anziehe, geht es weiter unten los. Ist es echt richtig kalt, dann trage ich über meiner Boxer mit Sitzpolster eine lange Unterwäsche, die aus einer Mischung aus Syntetik und Merinowolle gewebt ist. Ist es nicht ganz so kalt, dann nur ein eng anliegendes Funktionsshirt. Wichtig ist es, dass die erste, unterste Lage den Körper trocken hält. Wird es dem Körper zu warm, fängt man an zu schwitzen und diese Feuchtigkeit kühlt den Körper. Saugt sich die Unterwäsche nur voll, kann aber die Feuchtigkeit nicht vom Körper weg transportieren und verdunsten, dann bleibt man eben nass und wird später deswegen frieren. Schlechte Erfahrungen habe ich mit einem günstigen Unterhemd aus dem Discounter gemacht. Das hat sich nur vollgesaugt und war dann nass und kalt. Hier lohnt sich also die Investition in gute Funktionsunterwäsche, die speziell für Sport mit hoher Intensität gemacht ist.

Darüber trage ich als mittlere Lage bei kaltem Wetter am liebsten ein Teil mit hohem Kragen und einer genoppten Innenseite. Das hält warm und atmet gut.
Nur wenn es richtig, richtig kalt ist, trage ich noch eine Fleece-Weste bevor dann die Jacke drüber kommt.

Die Jacke ist das Teil, an dem man am wenigsten sparen sollte. Die muss nämlich primär den Wind, die Feuchtigkeit, den Matsch und den Regen oder gar Schnee abhalten. Je mehr die Jacke von innen nach außen atmen kann, desto besser ist das Innenklima darunter. Ist es nicht richtig kalt, sondern warm und nass, dann funktionieren technische Stoffe nicht richtig. Deshalb achtet darauf, dass die Jacke wind- und wasserdichte Reißverschlüsse hat, mit denen man für Belüftung sorgen kann, z.B. unter den Armen, vorne von der Brust nach unten und am Rücken. So kann man für Durchzug sorgen wenn es warm, aber eben nass ist und man nur langsam bergauf pedaliert. Ist es kalt, bleibt die Jacke aber am besten geschlossen, damit die Feuchtigkeit durch die Jacke nach außen verdampfen kann. Nicht jeder mag eine Kapuze, aber wenn die zusammengerollt nicht stört und nur dann über den Helm gezogen wird, wenn es richtig schüttet, dann ist die nicht zu verachten. Am besten ist die Jacke hinten extra lang geschnitten, damit sie auch lange genug ist, wenn man nach vorne gebeugt auf dem Rad sitzt. Gefüttert ist die Jacke besser nicht, denn für die Wärme sind die anderen Lagen unter der Jacke da. Meine Wahl fiel vor ein paar Jahren auf die Endura MT500 Jacke, da die damals mit die höchste Wassersäule (= Wasserdichtheit) und vor allem eine sehr hohe Atmungsaktivität hatte. Beides wird in der Regel bei solchen Jacken angegeben und lässt sich leicht vergleichen. Beim neusten Modell von Endura hat die MT500 Waterproof Jacke II beispielweise einen Wert bei der Wassersäule von 20.000 mm und einen Wert bei der Atmungsaktivität von 40.000 g/m²/24 h.

Was für die Jacke gilt, das gilt auch für eine lange Hose. Wind- und wasserdicht, dabei atmungsaktiv mit Lüftungsoptionen und zusätzlich mit einem wirklich abriebfesten Hinterteil muss die sein. Den wo spritzt der Schlamm immer hin? Genau. Und dann setzt man sich drauf und backt kleine Mud-Cakes. Das beansprucht die Hose genau da ganz ordentlich. Auch darauf zu achten ist, dass die Beine unten schmal geschnitten sind, sonst freut sich die Kette über Stücke der Hose.
Ich bin lang gewachsen und dabei relativ schmal, weshalb mir meine Troy Lee Designs Resist Hose leider oben zu weit ist damit sie dann nach unten lang genug ist. Leider ist der Ratschenverschluss am Bund nicht gut geeignet, um die Hose rutschfest auf der Hüfte zu verankern. Es gibt auch keinen wirklich rutschfesten Gummistreifen hinten am Bund. Hosenträger lösen das Problem, sind aber irgendwo doof.

Jetzt sind wir schon unten angekommen. Um die Füße herum ist es meist am schnellsten nass und kalt. Denn da spritzt die vom Vorderrad aufgewirbelte Feuchtigkeit immer hin, selbst wenn nur noch der Boden feucht ist. Und das heißt: Auch hier muss investiert werden. In ein paar richtig gute Schuhe und mindestens genauso wichtig, in Socken. Wer hier mit Überziehern über den Sommerschuhen arbeitet darf mit Schweißfüßen rechnen. Vor allem im nassen und milden Frühjahr oder Herbst. Und unten sind so Überzieher ja nun mal offen und da wird immer Feuchtigkeit einziehen. Deshalb lohnt es sich in ein paar wetterfeste Schuhe zu investieren. Ich fahre die Fizik Terra Clima X2 und bin super zufrieden. Sie sind nicht die wärmsten im Fizik Terra Portfolio, aber schon wasserfest und atmungsaktiv. Mit ihrer hohen Gamasche halten sie am Bein herunter laufenden Wasser und hoch spritzenden Schlamm sicher aus dem Schuh fern. Die Sohle ist griffig und unten geschlossen – ich fahre mit Klickpedalen und da ist das wichtig, damit das Wasser und die Kälte nicht durch die Öffnungen für die Schuhplatten in den Schuh kriecht. Nach der Tour spritze ich die noch am Fuss mit dem Gartenschlauch einfach ab und bekomme selbst dabei keine nassen Füsse. In den Schuhen trage ich gerne die wasserdichten Socken von Sealskinz. Die gibt es in verschiedenen Längen und Wärmeausstattungen. Auch hier gibt es keine Schweißfüße. Wer die Investition in einen Schuh für schlechtes Wetter scheut, kann auch erstmal nur auf solche Socken setzen.
Und da wir schon bei Schuhen sind, hier noch ein paar Worte zu Handschuhen. Ich habe ein paar schon uralte Handschuhe im Einsatz, die aus Thinsulate gemacht sind. Das ist ein wärmedämmender Vliesstoff. Im Gegensatz zu Skihandschuhen, müssen Handschuhe zum Radfahren am besten eng und griffsensitiv sein damit man noch gut schalten und bremsen kann. Griffig müssen sie auch sein, damit man nicht abrutscht und natürlich wind- und wasserdicht. Bei Regen sollten sich die Handschuhe auch nicht mit Wasser vollsaugen. Und das alles zu erfüllen, ohne dass die Fingerspitzen eiskalt werden, ist nicht einfach. Hier habe ich keinen Tipp, freue mich aber über Euren in den Kommentaren.

Und so gut gekleidet macht die Trails-Tour oder der Gravel-Ride bei jedem Wetter Spaß. Tatsächlich freut man sich ja auch wie ein kleines Kind, wenn man keine Pfütze mehr auslassen muss, oder? Der Wald riecht auch immer toll, wenn er nass ist. Und auf das Knarren von frischem Schnee unter dem Reifen freue ich mich auch immer.

Die Ausrüstung, die ich hier beispielhaft photographiert und abgebildet habe sowie alle Produkte, die ich namentlich genannt und verlinkt habe sind von mir selbst unabhängig ausgesucht und zu normalen Preisen im Handel gekauft worden. Ohne Unterstützung der Hersteller.
Ich freue mich von Euch in den Kommentaren zu hören mit welcher Ausrüstung ihr gute Erfahrung gemacht habt.

Bis bald im Wald!

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