Vom Rat Bike zum Cruiser

Es gibt Räder tief in den Kellern und hinteren Ecken der Garagen, die unter ihrer Schicht aus Staub, Dreck und fettigen Krusten noch immer den Glanz ihrer Hochzeiten tragen. Der muss nur wieder heraus gekitzelt werden.
Wie bringt man so ein Rad wieder zum Leuchten und zurück aus der Ecke in den regelmäßigen Gebrauch?
Mein Tipp:
Man löst sich mal vom Ursprünglichen und macht was damit, was richtig cool und gleichzeitig praktisch ist. Denn wer kein enthusiastischer Klassik-MTB Sammler ist, der will weder große Summen in eine Restauration stecken, noch wird so ein Rad dann wie früher durch den Wald und die Berge bewegt. Aber für Besorgungen, für die Fahrt in den nahen Biergarten, zum Schwimmbad, zum Sportplatz oder ähnliches – dafür ist so ein Rad perfekt. Und genau sowas wollte ich schon länger gerne mal aus einem alten, vernachlässigten Rat Bike mit Potential machen.

Ich habe mich sehr gefreut, dass ein guter Freund noch ein altes Klein Attitude Comp in der Garage stehen hatte und mich fragte: „Kann man da noch was draus machen? Irgendwas Cooles, so ein Single Speed oder so?“.

Ja, klar!!!

Die Klein Räder waren damals der heißeste Scheiß! (Entschuldigung.) Das hier ist „nur“ ein Klein Attitude Comp aus 2000. Und damit trotz der schönen Sunburst Lackierung nichts, was in Retro-Kreisen hochpreisig gehandelt wird.
Im Gespräch kam dann raus, dass er viel und gerne schaltet. „Gibt es noch Daumenschalter?“ Und dass er für Besorgungen nicht immer sein E-Bike nehmen will. Und da hatte es schon mehrfach bei mir geklickt wie die guten alten Daumenschalter!

Also habe ich das Baby mitgenommen und erstmal nackig gemacht. Alle Teile, die ich weiter verwenden wollte, wurden tiefengereinigt, die Lager neu gefettet und der Rahmen aufpoliert. Dann begann die Suche nach Teilen für den Wiederaufbau. Der tolle gelb-rote Sunburst Paintjob sollte durch weitere rote Teile noch mehr zum Leuchten gebracht werden. Also bestellte ich rote Griffe, rote Außenhüllen, frische Bremsbeläge mit rotem Belag, rote Zugendnippel, einen roten Flaschenhalter und ein rotes narrow-wide Kettenblatt. Vorne sollten sich statt drei nämlich nur noch ein Kettenblatt drehen. Die „narrow-wide“ Kettenblätter verhindern durch ihr Profil, dass die Kette vom Kettenblatt fällt. Ein neuer Sattel und eine frische Kette mussten her und natürlich ein Daumenschalter mit passendem Schaltwerk. Außerdem mussten passend zu den dicken Alurohren auch ein paar dicke Reifen her. Die Maxxis Holy Roller in 26×2,40 sind da genau richtig.

Aber das Beste sollte ganz vorne passieren!
Eigentlich dachte ich an einen Flat Rack – einen flachen Vorderradgepäckträger. Das war aber nicht so einfach wegen der Federgabel, denn da läßt sich sowas nicht montieren. Und im Gespräch kam dann der Wunsch nach einem Korb statt einer flachen Auflage. Gut!! In Italien habe ich in einem Radladen mal eine Lenker-Gepäckträger-Kombi gesehen. Und die habe ich auch bei einem Radladen bei Hamburg wieder gefunden.

Hier die Liste der Teile, die ich bestellt habe:

KettenblattDeckas narrow-wide Kettenblatt 36 Zähne, rot€ 9,04
SchaltwerkShimano Acera RD-M390 9-fach€ 11,68
KetteShimano CN-HG93 Kette 9-fach€ 13,90
SchalterDaumenschalter SUNRACE SLM96 – 9 fach – Rechts€ 22,78
GriffeSpecialized Enduro XL Locking Grips – rot€ 19,40
SattelErgon SFC3 Gel€ 39,99
Reifen2x Maxxis HolyRoller (26×2.40) MaxxPro-Compound€ 55,20
Bremsbeläge2x Jagwire Mountain Sport V-Brake – rot€ 5,82
Außenhüllen2x Capgo BL – Rot (Bremse und Schaltung)€ 19,90
Bremszüge2x Shimano Edelstahl MTB€ 7,00
Schaltzüge1x Jagwire Sport€ 2,50
EndtüllenJagwire, rot€ 0,30
FlaschenhalterBontrager, rot€ 8,76
KlingelProcraft Mega Ping€ 2,49
LenkerLenkerkorb Elbebike, matt schwarz€ 129,00
PauschaleReiniger, Fett, Öl€ 2,00
Summe€ 349,77
Teileliste

Und dann kam der Winter, der Lockdown, Weihnachten, Zeit mit der Familie statt in der häuslichen Kellerwerkstatt. Aber Stück für Stück wurde aus dem Rat Bike wieder eine Prinzessin mit Maulkorb! (OK, … das ist jetzt keine schöne Analogie.) Schaut mal wie hübsch!!

Ich biete keinen professionellen Service, sondern ich mache das, weil ich selbst Spaß daran habe. Und das Rad war ein echter Spaß! Hier noch ein paar Informationen dazu.
Mitgenommen habe ich das Rad am 22. November und zurück gegangen ist es am 6. Februar. Bezahlt wurden die Teile, die ich im normalen Radladen bestellt habe – sonst nichts. Eine zusätzliche Spende ging an den World Bicylce Relief, eine Wohltätigkeitsorganisation, die speziell für Entwicklungsländer entwickelte, robuste und vor Ort montierte Fahrräder produziert. Im Rahmen von Programmen stellen sie diese dann Schülern/Schülerinnen und Pflegern/Pflegerinnen zur Verfügung.

Hast Du ein klassisches MTB im Keller oder Gartenschuppen, das Du gerne wieder fahren möchtest und das vorher mal eine gründlichen Pflege und einen zweiten Frühling braucht?
Dann melde Dich gerne bei mir!

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